Deutsch - 07-11.11.2025 Zweite Woche auf den Falkland Inseln - Saunders Island
- dl7hw4
- 18. Nov. 2025
- 33 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Nov. 2025
07.11.2025
Ein letztes Mal in Stanley frühstücken. Wieder die etwas leichtere Variante...
Gepackt hatten wir ja schon, aber unser überschüssigen Gepäckstücke, die nicht mit uns nach Saunders Island fliegen würden, musste noch verstaut werden. Diese durften wir im Gartenhaus der Unterkunft „parken“.
Gegen 9:15 Uhr hat uns unser Gastgeber zum Stanley Airport, zu FIGAS, gefahren.
Da der Flieger erst für 10:45 Uhr angekündigt war, wurden wir dort recht erstaunt begrüßt. Sie sind es nicht gewöhnt, dass Leute so viel früher auftauchen. Deutsche Pünktlichkeit halt...😉
Macht aber nichts. Sie haben dort einen großzügigen Wartebereich mit Kaffee und Tee.
Vorher erwartete uns aber noch der Angstgegner. Die WAAGE!
Und zwar nicht nur für das Gepäck...
Wir hatten in der Unterkunft eine kleine Kofferwaage bekommen, um die Rucksäcke prüfen zu können. Allerdings hatte dort die Batterie gegen Ende ihren Dienst quittiert und wir mussten den Rest schätzen.
Nachdem aus Saunders Island Selbstversorgung angesagt ist, hatten wir ja auch noch Nahrungsmittel dabei. Plus 2x 0,75 l Wasserflaschen.

(Rucksäcke links gehen mit - rechts bleiben da)
Gut. Erst mal den großen Rucksack und den kleinen Rucksack gemeinsam auf die Waage gewuchtet. Natürlich zu schwer... Besagte Wasserflaschen entfernt – Punktlandung, 40 kg!
Danach mussten wir (einzeln) auch auf die Gepäckwaage. Natürlich mit Kleidung, Schuhen und allem, was bei Flug auch am „Mann“ sein würde...
Die Waage steht vorne am Tresen und das Gewicht ist für die Person auf der Waage nicht einsehbar. Das Gewicht der Gepäckstücke wurde uns ja mitgeteilt, beim Personengewicht wurde hingegen höflich geschwiegen...
Also alles gut. Was für ein Glück...
Dachte schon, wir müssen für Übergepäck (oder eher Übergewicht) blechen. 😂
In Summe war der Flug dann noch etwas günstiger als gedacht, da wir noch einen weiteren Passagier mit an Bord hatten, was sich im Nachhinein noch als großes Glück herausgestellt hat. Dazu kommen wir aber noch.
Nach einem Kaffee im Wartebereich, rückte unser Abreise näher. Zumindest kam das Flugzeug an, mit dem es dann für uns weiter gehen sollte. Die Passagiere stiegen alle aus, dann kam auch der Pilot herein. Tom – eine Mischung aus Tom Cruise aus Top Gun und einem zerzausten englischem Rockstar.
Er teilte mit, dass es ein Problem am Flugzeug gibt und die Flugzeuge gewechselt werden müssen, was ca. 45 min Verzögerung für uns bedeuten würde. Ok, das ist man ja auch von der Deutschen Bahn gewohnt. Also kein Grund für Stresspusteln und/oder Verzweiflungstränen...
Nach einiger Zeit kam er wieder und meinte, dass die Sache mit dem Tauschflugzeug doch nicht klappt. Die Techniker würden an der ursprünglichen Maschine noch was richten – Safety first – und wir sollten etwa mit 2 Stunden Verzug rechnen.
Ok, wenn er das sagt. Wir haben ja wenig andere Chancen.
Also zuckten wir nur ergeben mit den Schultern, kann eh keiner was dafür. Laptop raus und Bilder bearbeiten war angesagt.
Der dritte Passagier, eine Fotografin aus den USA, sagte daraufhin, dass sie ein Auto hier hat und in der Zwischenzeit zum Essen fahren würde. Coole Idee, aber die Option hatten wir leider nicht. Wir begnügten uns mit Müsliriegeln aus dem Gepäck und holten uns noch einen Kaffee.
Der Leiter der Flugabfertigung hatte schon die ganze Zeit bemerkt, dass wir uns für die Flieger und die Technik interessieren und machte uns deswegen darauf aufmerksam, dass gleich zu Übungszwecken eine Militärmaschine anfliegen wird. Das passiert immer wieder mal und wir sollen uns das doch ansehen.
Auf Nachfrage, ob auch fotografieren erlaubt ist, meinte er nur, dass das kein Problem sei.
Also Kamera in die Hand und raus dem Gebäude. Kurz darauf kam die Maschine – ein Airbus A400M – auch schon angeflogen, überflog einmal kurz das Gelände im Tiefflug und verschwand wieder.

Das Manöver und die Bilder, die im Gebäude hängen, erinnern auch an eine andere Rolle, die dieser kleine Flughafen früher gespielt hat. Er war 1982 eine wichtige logistische Örtlichkeit für beide Kriegsparteien.
Erst nach dem Falkland Krieg wurde der Mount Pleasant Komplex, der jetzige große Militärflughafen, gebaut. Bis dahin war der kleine Stanley Airport der Dreh- und Angelpunkt der Luftfahrt auf den Inseln.
Kaum hatten wir das Gebäude wieder betreten, kam eine weitere Maschine von FIGAS angeflogen und der Flugplan wurde erneut kurzerhand geändert. Zu unserem Vorteil.
Mit dieser Maschine sollte dann die Reise für uns weitergehen und das sogar recht zügig. So zügig, dass unsere amerikanische Begleiterin – mit Essen und Trinken bepackt – wieder am Flughafen auftauchte. So schnell hatte sich das mit dem gemütlichen Essen in Stanley erledigt.
Ihre Bemerkung dazu mit einem Augenzwinkern: „Das waren die kürzesten 2 Stunden ihres Lebens.“
Wie wahr. Auch wir haben unseren Laptop wieder in die Tasche gestopft und den letzten Tropfen Kaffee heruntergeschüttet.

Kurz darauf ging es zum Flieger, einer zweimotorigen Britten-Norman BN-2B Islander.
Wir stiegen auf der rechten Seite, bei der Tür unter dem Flügel, ein und saßen direkt hinter dem Piloten. Kopf einziehen und nicht gegen den Flügel rennen... Weiter vorne ist auch doof, weil Propeller. Natürlich noch aus, tut im Zweifel aber trotzdem weh.
Unser Pilot Tom hatte auch von der Größe her Ähnlichkeit mit Tom Cruise, so dass die Beinfreiheit in unserer Reihe recht gut war. Die Sicherheitseinweisungen waren recht kurz gehalten. Wichtig waren die Ohrenstöpsel, da die Maschine doch laut ist.
Motto: Keine Panik, solange der Pilot keine Panik bekommt, und bei Bedarf bitte die Kotztüten verwenden!
Dann ging es auch schon auf die Rollbahn und nach kurzer Zeit waren wir in der Luft. Sicht auf Stanley von oben, Nase Richtung Nord-Westen und ab nach Pebbel Island. Da werde dann noch ein paar Passagiere zusteigen. Der Flugzeit dahin ca. 40 min.

Wir flogen in ca. 1 km Höhe, teilweise weniger.
In der Luft sieht man erst einmal die wahren Ausmaße der Insel. Die verstreuten Siedlungen – teilweise ein einziges Haus im Nirgendwo – Berge, Bäche, Moore und Schafe. Das sind die Dinge, die man von oben auch besser erfassen kann. Die Landschaft ist sehr zerklüftet und weitläufig.
Die sogenannten Hauptstraßen sind Kiesstraßen, meist gerade so breit, dass irgendwie zwei Fahrzeuge nebeneinander Platz haben. Von hier oben wirken sie wie bessere Feldwege.
Das Land ist von Offroad-Pisten durchzogen. Überall wo man den gleichen Bereich öfter mit einem Geländewagen oder Traktor befährt, bleiben diese Spuren in der Landschaft sichtbar. Der Bau weiterer Straßen würde sich nicht rechnen.

(Noch kurz zur Erklärung: Die Falkländer haben zur Ehrung die Namen der Schiffe auf der anderen Seite der Bucht mit Steinen verewigt.)

Also gibt es auch nur eine Wahl von Fahrzeugen außerhalb von Stanley, nämlich hohe Fahrzeuge. Und damit meine ich nicht die Gesamthöhe, sondern den Platz zwischen der Straße und dem Unterboden des Fahrzeugs.
Bei den meisten Autos hier kann man viele Arbeiten auch ohne Hebebühne machen, weil darunter so viel Platz ist. Der Platz wird aber auch gebraucht.
Allein in Stanley haben wir mehr Offroad-Fahrzeuge gesehen, als bei uns bei entsprechenden Veranstaltungen in Kiesgruben...
Hier braucht man diese Fahrzeuge nicht als Showcar, sondern um dahin zu kommen, wo man hin will. Höherlegungssatz, Geländebreitreifen mit ordentlich Profil, Seilwinde, Schnorchel, Funkantenne, Sandbleche und LED-Light-Bar sind hier die „Tuningteile“ der Wahl.
Nach einiger Zeit kamen wir wieder ans Meer. Von Ost- nach Westfalkland geht es über die Meerenge Falkland Sound zwischen den beiden großen Hauptinseln.
Dann der Landeanflug zum kurzen Zwischenstopp auf Pebbel Island. Die Bodencrew, bestehend aus den örtlichen Farmern, wartete bereits auf uns. Landung kurze, Wende mit dem Flugzeug und dann konnten die neue Passagiere auch schon zusteigen. Kurz darauf ging es auch schon an den erneuten Start. Dieser wurde vom Piloten aber kurz nach dem Durchstarten abgebrochen – Vögel! Nachdem es von denen hier doch einige gibt, ein ständiges Risiko. Insbesondere bei Start und Landung.
Ok, dann halt nochmal...
Wieder auf Ausgangsposition und auf ein Neues. Diesmal klappt der Start und keine Gans hat versucht, sich im Propeller zu Geschnetzeltem verarbeiten zu lassen. 😉
Saunders Island ist ca. 10 min entfernt. Auch hier warteten die Bodencrew (= Inselbewohner = Feuerwehr, deswegen der Anhänger) und die neuen Passagiere schon auf uns. Die Landung verlief wieder problemlos. Wir rollten zum Anfang der Startbahn und dann begann der große Wechsel.

Vor Ort wurden wir von unserm Vermieter und seiner Tochter in Empfang genommen.
Erst einmal die Schuhe desinfizieren, damit man nichts auf die Insel einschleppt, und weiter mit Gepäck ins Auto.
Zunächst fuhren wir ins naheliegende Settlement zu Suzan. Mit ihr hatten wir den Aufenthalt im Vorfeld geplant.
Ursprünglich standen 2 Übernachtungen im Settlement und 2 im The Neck auf unserem Plan. Da aber Leute abgesprungen waren, bekamen wir das Angebot, die ersten 2 Nächte in The Rookery – die andere sehr abgelegene Hütte – verbringen zu können. Das wäre sicher interessanter für uns und aktuell wären wir auch alleine dort
Das klang gut und so war die Entscheidung schnell getroffen. Auf die Frage, ob wir noch Verpflegung brauchen, konnten wir – Dank unseres massiven Vorrats an Instant-Nudeln, Tee, Knäckebrot und Keksen – heroisch mit Nein antworten...
Unsere Reisebegleitung – die Fotografin – war auch noch vor Ort, wurde aber direkt zum Neck gefahren, wo wir dann nach zwei Tagen zu ihr stoßen würden.
Wir bekamen noch eine Tasche mit Bettwäsche und Handtüchern und dann ging es für uns erst einmal in den Norden der gar nicht so kleinen Insel.
Zum Vergleich:
Saunders Island hat 131,6 km² , Sylt hat 99 km² und der Chiemsee ca. 80 km². Die Berge machen das Ganze nochmal deutlich unzugänglicher.
Unsere Fahrt ging aus dem Settlement heraus in Richtung der Berge. Ja genau – die Berge, die wir auch besteigen wollten.
Aber auch hier wird man sich des Ausmaßes der Unternehmung erst richtig bewusst, wenn man erst einmal vor Ort ist...
Während der Fahrt bekamen wir viele Infos zur Insel, den Bergen und den Tieren hier.
Der Weg zum The Rookery ist komplett unbefestigt und die Fahrt dauert ca. 40 min.
Mit Allrad und Untersetzer geht es zunächst steil bergauf, um dann auf der anderen Seite in ein weitläufiges Tal zu fahren. Dort sind wir schon bei der Anfahrt an zwei Pinguinkolonien (Gentoo Pinguine) vorbeigekommen und dazwischen sind auch einige Höhlen von Magellanpinguinen in der Erde.
In der einen Gentoo-Kolonie hatte ich ein Königspinguin in der Mauser eingeschlichen. Jede Gesellschaft ist besser, als in der Wildnis alleine rumzustehen...

Weiter ging es am Strand vorbei, dann noch einen kleineren Anstieg hoch und wir konnten die Hütte sehen. Unser Domizil für die nächsten 2 Tage.

Vor Ort bekamen wir noch eine kurze Einweisung, wie alles funktioniert. Strom kommt von Solarpaneelen und wenn das nicht reicht, von einem Generator im Nebengebäude. Vollausgestattete Küche mit Gasherd Sofa und Essbereich, 2 Schlafzimmer mit je 2 Betten und Bad mit WC und Dusche. Ganz wichtig wieder – im Vorzimmer Schuhe ausziehen.
Macht unabhängig von den Gepflogenheiten aber auch Sinn. Man will nicht den ganzen Schaf- und Vogelkot in der Bude haben.
Aktuell wohnen auf der Saunders Island 6 Personen. Mit uns und der Fotografin aktuell also 9!! Nachdem wir keine Fragen mehr hatten, wurden wir allein gelassen.
Ein kleines Funkgerät (70 cm/2 m) am Küchenschrank stellt die Verbindung zum Settlement dar, für den Fall, das Fragen auftauchen.
Die Frequenzen haben wir auch gleich in unsere Handgeräte – 2x Retevis RA89 – übertragen, damit wir bei unseren Touren auch in Kontakt bleiben können, falls erforderlich.
Nachdem schon in Deutschland klar war, dass die Netzabdeckung hier mehr als bescheiden sein dürfte, war die Entscheidung zur Mitnahme von robusten Handfunkgeräten mit großer Akku-Kapazität, schnell gefallen.
Das Retevis RA89 bietet viel für einen vernünftigen Preis – „Stumpf ist Trumpf“.
Somit war es für diesen Urlaub für uns die erste Wahl:
Der Akku hält im Standy mehr als 3 Tage.
Der Akku kann mit USB-C direkt am Gerät geladen werden. Also benötigt man keine spezielle Ladestation, die man vergessen kann und zusätzlich im Gepäck herumschleppen muss.
Dank Dual-Watch werden beide eingestellten Kanäle gleichzeitig überwacht. Das war ein großer Vorteil für uns, da wir so den Funkbetrieb der Insel sowie auch unseren eigenen überwachen konnten.
Die Geräte sind relativ einfach gehalten. Die Menüführung ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber das ist sie bei Yaesu auch!!
10 Watt Sendeleistung im Maximum, was schon ordentlich ist.
Bis 1 m Tiefe wasserdicht, wenn alle Deckel und Verschlüsse ordentlich angebracht sind.
Die Geräten lassen sich relativ einfach mit der universal Software CHIRP programmieren.
Nachdem das Mobilfunknetz im Bereich unserer Hütte eine wohlverdiente Pause macht, suchten wir nach alternativen Möglichkeiten, mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben.
Also raus aus dem Haus und schauen, wo man am besten die Antenne aufstellen und befestigen kann.
Hier bot sich das Treppengeländer der Eingangstreppe an. Nicht der optimale Platz, aber praktikabel und halbwegs windgeschützt.
Teleskopmast ausgepackt, mit Kabelbindern befestigt und das Radial Richtung Solarpaneele abgespannt. Das Antennenkabel – Messi & Paoloni Hyperflex 5 – kann bei den hier gebräuchlichen Kunststofffenstern durchgeführt werden, ohne Schäden an Fenster oder Kabel zu verursachen.


So, das Kabel war schon mal drin in der Hütte. Jetzt noch den Rest aufbauen und am besten so, dass man das ganze Zeug einfach stehen lassen kann...
Also haben wir das der Antenne nächstgelegene Schlafzimmer kurzerhand in unsere Funkzentrale verwandelt. War ja praktischerweise sonst niemand da. 😊


Das Hauptproblem war tatsächlich, den Strom nahe genug an das Funkgerät zu bringen.
Hier half eine Steckdosenleiste weiter, die wir in der Küche gefunden hatten. Dies ist sicherlich ein Teil, das bei der nächsten derartigen Reise nicht fehlen darf.
Merke: Eine Mehrfachsteckdose mit 3 m oder mehr Verlängerungskabel ist hilfreich!
Die Bauweise hier ist relativ einfach gehalten, daher findet man Steckdosen oft nur an einer Seite im Zimmer, so dass man etwas improvisieren muss.
Das Funkgerät wurde auf dem Bett in dem Zimmer aufgebaut und das vorhandene Nachtkästchen bekam eine neue Aufgabe als Schreibtisch.
Nach kurzer Zeit lief die Anlage und wir konnten immerhin per Winlink ein Lebenszeichen nach draußen senden. Auch die am nächsten Tag anstehenden Tour auf den Mt Rookery, mit dem voraussichtlichen Eintreffen am Gipfel wurde mitgeteilt, damit die Leute aus der Heimat ein Auge darauf werfen können.
Dann mal wieder VarAc Test, ja Stationen sind vorhanden, aber sehr überschaubar. Ich ließ die Anlage dann erst einmal laufen, vielleicht kommt es ja noch zu einem Kontakt. Um 23.16 Uhr UTC war es dann auch soweit, ein Kontakt zu CE2IB, Jose auf 20m in SSB
Nach der technischen Meisterleistung hatten wir uns die schmackhaften Instant-Nudeln wahrlich verdient...
Anschließend wollten wir trotzdem noch nach draußen und die Umgebung etwas erkunden.
Riana war schon etwas vorgeprescht und hat sich in Richtung der an den Steilhängen brütenden Albatrosse bewegt.
Die Tiere sind wirklich groß. Wir standen sozusagen in der Einflugschneise zu deren Nestern und so flogen sie genau in unsere Richtung, was zu tollen Fotos führte. Hier kann man sich wirklich stundenlang aufhalten und es wird nicht langweilig. Schlimmstenfalls muss man aufpassen, dass einen kein „Geschenk“ von oben trifft.


Aber wir wussten ja, dass weiter Richtung Westen noch die Pinguine (Rockhopper) sein sollen. Die wollten wir natürlich auch noch sehen. Also weiter die Klippen entlang.
Hier bewahrheitete sich auch der Tipp, den wir im Auto mitbekommen hatten:
Man riecht die Pinguine, bevor man sie sieht. (Vorausgesetzt die Windrichtung passt.)

Wer sich jetzt über die komischen langhalsigen und flugfähigen Pinguine wundert: Das sind Königskormorane, die sich ganz geschickt ihre Nester im Schutz der Kolonie bauen... Farblich passen sie gut dazu und Nachbarschaftsstreitigkeiten scheint es auch kaum zu geben.

Oder zumindest nur in dem Rahmen, in dem es die Pinguine untereinander auch trifft. Da wird schon mal gehackt und gemault, wenn der Nachbar zu nah vorbeigeht, dumm schaut, oder sonst was. Also alles ganz normal, wenn man auf so beengtem Raum lebt.
Möwen, Skuas, Caracaras und Truthahngeier schauen schon ab und an mal vorbei und warten, ob sich nicht eine gute Gelegenheit ergibt...
Stören lassen sich die ganzen Tiere von uns übrigens kaum. Es wird mal geguckt, aber so wirklich interessieren sie sich alle nicht für uns.
Trotzdem: Abstand halten ist oberstes Gebot und das wollen wir hier auch noch mal deutlich klarstellen!
Wir haben natürlich auch fotografiert und uns den Tieren genähert ABER immer langsam, vorsichtig und respektvoll. Und ein gewisser Mindestabstand ist nicht zu unterschreiten. Angegeben sind überall 6 m. Aber nochmal, das ist ein Mindestwert!
Jeder halbwegs empathische Mensch sollte in der Lage sein, zu erkennen, wann sich ein Tier unwohl fühlt. Und dann ist gut bzw. man wartet und tritt zurück.
Wenn Tier innehalten, aufstehen, den Weg ändern, einen Warnruf ausstoßen, etc. machen sie das nicht grundlos.
Oft genügt es, kurz innezuhalten und sich nicht zu bewegen und die Lage entspannt sich wieder.
Warum wir hier so deutlich sind: Es ist hier ein Paradies!
Die Tiere haben keine Angst vor uns, weil ihnen hier nichts passiert. Und das soll auch so bleiben!
Allerdings ist der Trend die letzten Jahre immer weiter in die Richtung gegangen, möglichst spektakuläre Bilder für Social Media zu erbeuten.
Wir reden hier auch nicht von z. B. Touristen und Naturfotografen, die die Natur lieben und schätzen, sondern von Leuten, die absolut alles tun, um sich selbst in Szene zu setzen. Ohne Rücksicht auf Verluste! Und das geht unserer Meinung nach absolut gar nicht!
So, genug gemahnt. Sorry an alle, die zu den rücksichtsvollen Naturliebhabern zählen. Aber wir haben den Eindruck, das wir vermitteln müssen, wie sensibel das Gleichgewicht hier ist und wie wichtig, dass es erhalten bleibt.
Nachdem sich der Tag dem Ende neigte, sind wir zurück in die Hütte gewandert.
Da die Berggipfel den Tag über in Nebel gehüllt waren, kam uns noch kurz vor dem Schlafengehen die Eingebung, dass es doch hilfreich wäre, die genauen Koordinaten der Berggipfel zu kennen.
So wäre es uns auch ohne Netz und App möglich, am Folgetag an der richtigen Stelle zu funken. 😜
Per Garmin-Uhr wäre das Tracking dann auch möglich.
Also noch kurz per Winlink bei Freunden und Familie angefragt und dann nach einer Kanne Tee schlafen gelegt.
08.11.2025
Juhuuu, ein neuer Tag. Großes ist zu vollbringen...
Daher sind wir fleißig um 6:30 Uhr aufgestanden und haben und nach einem reichhaltigen Frühstück (Knäckebrot mit Kaffee) auf den Weg zur Besteigung des Mt. Rookery gemacht.
Vorher natürlich per Winlink die Mails gecheckt – Danke für die Rückmeldungen – und die Koordinaten gespeichert.
Die Rucksäcke waren schnell gepackt. 1x groß mit Primärfunkgerät, Antenne, Laptop, Plane und Regenschutz. 1x klein mit Ersatzgerät, Verbandszeug, Getränken und Ersatzkleidung.
(2 kleine Rucksäcke wären auch gegangen, aber wir wollten die Ausrüstung nicht unnötig komprimieren.)
Die kleinen Retevis RA89 hatten wir jeweils am „Mann“.
Wir folgten dem Rat der Einheimischen und machten uns von der Hütte direkt auf den Grat auf. Deswegen wurden wir mit einem tollen Blick auf das Tal belohnt, das wir am Vortag durchfahren hatten.

Allerdings war das Wetter an dem Tag eher bedeckt und unheimlich stürmisch. Entsprechend war der Aufstieg und die „Gratwanderung“ von permanentem Gegenwind begleitet. Mal mehr mal weniger stark. Meistens eher mehr...
Das Terrain ist steinig, von niedrigem Bewuchs gesäumt und mit stetigem Anstieg. Einen Weg gibt es natürlich nicht. Bestenfalls Trampelpfade durch die Schafe, die sich in Schlangenlinien willkürlich durch die Flechte, Moose und Farne ziehen.

Die Strecke zieht sich... Wenn man denkt, man sieht den Gipfel stellt man spätestens oben fest, dass es noch weitergeht. Und das nicht nur einmal.
Irgendwann haben wir einen Bereich erreicht, den scheinbar sogar die Schafe gemieden haben. Es ging weiter nach oben – vermutlich zum „wirklichen“ Gipfel – allerdings nur noch durch sehr dichtes, fast hüfthohes Gras, wie es ähnlich in Mooren zu finden ist.
Hier war das Weiterkommen sehr beschwerlich, eben keine Pfade mehr vorhanden, und der Wind tat sein Übriges.
Oben angekommen wurden wir dadurch belohnt, dass wir auf dem nun steinigen Plateau feststellen durften, dass wir wirklich den Gipfel erreicht hatten.
Auf dem Steinhaufen mit der Gipfelmarkierung stellten wir die Antenne auf.
Bonus nach der schweißtreibenden Schinderei: Im Windschatten des Steinhaufens waren wir wenigstens einigermaßen geschützt, konnten Funkgerät und Laptop aufstellen und uns umziehen.


Der Wind am Gipfel war massiv, aber zum Glück nur von einer Richtung, nämlich aus Westen. Entsprechend hat auch Abspannen in eine Richtung ausgereicht.
Bei der verwendeten Antenne handelt es sich um eine 5,5 m lange Teleskopantenne, welche mit meinem Antennen-Analyser schnell auf die gewünschte Frequenz abgestimmt werden kann. Die Antenne kann vom 20 m Band bei maximaler Länge, bis in den Bereich vom 2 m Band genutzt werden. Mit einer zusätzlichen Erweiterungsspule ist die Antenne auch im 40 m Band einsetzbar.
Tagsüber sollte eigentlich das 20 m Band eine gute und universelle Wahl darstellen. Allerdings konnten wir, aufgrund der fehlenden Internetverbindung, die Ausbreitungsbedingungen der Bänder nicht überprüfen und setzten so den Joker auf 20 m.
Der Antennenfuß wurde mit umher liegenden Steinen beschwert, jedoch war eine zusätzliche Abspannung gegen den Wind notwendig. Außerdem muss man bei dieser Antenne Radiale auf dem Boden verlegen. Daher wurden auch diese mit Steinen beschwert, um an der richtigen Position zu bleiben.


Ok, alles aufgebaut und das SWR überprüft.
1,6 ist nicht toll, konnte aber auch nicht besser abgestimmt werden. Der trockene, mit Steinen übersäte Boden ist kein optimales Gegengewicht zur Vertikalantenne.
Toll wäre es natürlich, wenn man die erforderlichen QSO´s in Phonie hinbekommen würde. Heißt auf gut deutsch, Sprachkommunikation mit der Gegenstation. Im Amateurfunk wird hier auf der Kurzwelle, meistens SBB (Single-Side-Band / Ein-Seitenband-Kommunikation) verwendet.
Wir suchten eine freie Frequenz und begannen mit dem CQ-Rufen. Auch nach mehreren Minuten, hörten wir absolut nichts.
Dann der Versuch, vielleicht andere Stationen zu finden. Sehr überschaubar... Entweder zu leise, so dass man nichts verstand, oder spanisch und im Gespräch mit einer anderen Station. Also auch nichts wo man mal „andocken“ könnte.
Wieder zurück auf die Frequenz von vorher und wieder rufen. Erneut nichts!
Ok, dann mal schauen ob man über VarAc auf sich aufmerksam machen kann.
Hier gibt es die Broadcast Funktion. Sprich man sendet eine Nachricht aus, die alle Stationen, die in Reichweite sind, gleichzeitig bekommen.
Also unsere Mission, die SOTA Referenz usw. in die Nachricht gepackt und abgeschickt. Eine zweite Nachricht mit der Bitte, uns bei SOTA zu spotten, hinterher.
Aber auch mit VarAc war die Ausbeute überschaubar. Kaum Stationen in Reichweite, also auch eine Sackgasse...
Neuer Versuch, diesmal mit Winlink. Die Verbindungen waren ja bei bisherigen Versuchen recht stabil.
Also mal schnell die Emails abgerufen und eine Mail an die Jungs rausgeschickt, mit der Bitte, einen Spot auf die SSB Frequenz zu setzen. Sozusagen, dass der restlichen Welt mitteilt wird, was wir gerade vorhaben. Sinn des ganzen soll sein, dass andere Funker auf uns aufmerksam werden.
Zweiter Versuch mit SSB. Das Gleiche in grün wie zuvor! Nichts...
Mal kurz überlegen, was dann auf die Schnelle noch übrig bleibt?
Meine CW-Kenntnisse sind noch in der Lernphase und mangels Taste eh nicht anwendbar.
Ja, man kann das auch über den Computer machen, aber das läuft oft nicht so wie es soll und dafür ist die Sache zu wichtig.
Also dann doch mal FT8 angeschaltet und siehe da, es gibt Stationen, und zwar reichlich.
Wir kämpfen uns durch die Angebote. Die Erfolgreichen QSO´s werden auch noch separat mit protokolliert, damit hier nicht durch Rechnerabsturz oder Fehler im Log noch irgendein Problem entsteht.
Insgesamt 27 QSO´s wurden es schließlich, was zur Aktivierung des Mt Rookery ausreichen sollte. Als begeisterter SSB und VarAc Funker muss ich leider zugeben , FT8 hat uns den Tag gerettet.
Nachdem wir unser Soll erfüllt hatten, machten wir uns ans Abbauen. Das gestaltete sich als schwierig, weil der Wind wieder deutlich zugenommen hatte und wir sehr darauf aufpassen mussten, dass der Wind sich nicht der Kabelbinder und Schnüre bemächtigt.
Anschließend ging es an den Abstieg.
Da wir wenig Lust hatten, erneut auf dem Grat die geballte Ladung des Winds abzubekommen, beschlossen wir, uns vom Mt. Rookery langsam nach unten Richtung Klippen vorzuarbeiten. Immer schön Richtung Ziel, ohne zu schnell an Höhe zu verlieren.
Wir wussten, dass wir dann oberhalb der Rockhopper-Kolonien ankommen müssten.
Das Gras war auf die ersten Meter so nervig wie beim Aufstieg, aber bald kamen wir wieder in steiniges und beweidetes Terrain und unser Plan ging auf. Irgendwann waren die Pinguine aus der Ferne sichtbar und wir konnten uns gut an ihnen orientieren.
Endlich angekommen beobachtet wir sie noch eine Weile und gingen dann entspannt den Weg zurück, den wir vom Vortag bereits kannten.

Eine warme Dusche in der Unterkunft war verdienter Lohn (und dringend nötig). Danach gab es wieder Instant-Nudeln und Tee zur Stärkung.
Anschließend wurde die Funkzentrale wieder in Betrieb genommen und zur späteren Stunde haben wir den Albatrossen nochmal einen Besuch abgestattet.
Da wir am nächsten Tag ins Neck übersiedeln würden und wissen wollten, was wir in der Früh noch machen können, fragten wir über Funk beim Settlement an, wann der Flieger mit den neuen Gästen auf Saunders Island landen würde und wir mit dem Auto abgeholt werden.
Nach entsprechender Antwort wussten wir, dass wir den Vormittag in Rookery noch zur Verfügung hatten.
09.11.2025
Da wir den Vormittag noch nutzen wollten, brachen wir am Vormittag zu Fuß in das Tal auf, das wir bei Ankunft durchfahren hatten.
Per Funk erfuhren wir, dass sich der Flieger etwas verspäten würde und gepackt hatten wir nach dem Frühstück bereits. Die Funkausrüstung hatten wir ebenfalls verstaut und auf die kleine Tour begleitete uns entsprechend nur ein kleiner Rucksack mit Getränken und Verbandszeug, inklusive Retevis RA89 – selbstverständlich.
Von der Hütte aus ging es einen kleinen Hügel hoch und dann hinunter durch ein Tor auf eine Weide ins Tal. Die Weide selbst war von zahlreichen Löchern durchzogen – bewohnte und unbewohnte Höhlen von Magellanpinguinen – dazwischen ein Bachlauf und einige Schafe und Kühe.
Hier zeigte sich wieder deutlich, wie wild eigentlich alles ist, auch wenn hier Nutztiere leben. Zahlreiche Knochen zeugen davon, dass die Tiere hier in gewissen Bereichen zwar eingezäunt sind, ansonsten aber wild und unbeaufsichtigt leben und eben auch „Verluste“ einkalkuliert sind.
Die über uns kreisenden neugierigen Geier ließen keinen Zweifel daran, dass sie sich bei Bedarf gebührend um solche Fälle kümmern würden...
Nachdem wir nicht vorhatten, auf der Speisekarte zu landen, gingen wir weiter.


Unten angekommen zieht sich ein schneeweißer Sandstrand entlang, der den Pinguinen einen guten Zugang zum Wasser ermöglicht. Dünen gibt es hier kaum, allerdings kleine dichte Büsche mit silbergrauen Blättern.


Den Strand konnten wir nicht komplett entlanggehen, da im hinteren Drittel ein Bach ins Meer mündet. Entsprechend sind wir eine paar Meter ins Tal gelaufen, bis wir an eine Überfahrt gekommen sind. Von dort aus war es auch nicht mehr weit bis zu den Gentoo-Pinguinen, die den einzelnen Königspinguin beherbergt hatten.
Diesen konnten wir allerdings im Gedränge nicht mehr ausmachen. Da die meisten Pinguine diesmal auch gelegen sind, war auch kein Pinguin zu entdecken, der deutlich größer war.
Außenrum waren wieder einige Kühe und Schafe unterwegs.


Auf der anderen Seite des Tals tummeln sich einige Falkland Caracaras (liebevoll auch Johnny Rook genannt). Diese gibt es nur auf den Falkland Inseln und es ist eine Freude, sie zu beobachten.
Sie sind sehr neugierig und gut zu Fuß. Sie gehen regelrecht ihre Strecken ab und drehen mit der Kralle jeden Stein um, um zu prüfen, ob sich darunter etwas brauchbares verbirgt.
Sie sind auch oft mit dem Partner und teils zusätzlich mit dem älteren Nachwuchs unterwegs und haben ein beeindruckendes Sozialverhalten.

Wir hätten noch stundenlang weiter beobachten können, allerdings wurde die Zeit langsam knapp und daher machten wir uns auf den Rückweg zur Unterkunft.
Dort angekommen vertrödelten wir noch die letzten Minuten, bis unser Abholservice vor der Tür stand.
Eigentlich war es eher ein Austausch...
Wir verließen Rookery und ein amerikanisches Paar zog ein. Kurz noch ein paar Tipps gegeben, was man hier sehen kann und wo das am besten geht, und dann ging es für uns weiter zum Neck.
Da wir noch hinreichend mit nahrhaftem Knäckebrot, Tee und Instant-Nudeln versorgt waren, mussten wir auch keinen Zwischenstopp im Settlement mehr einlegen.
Die Fahrt zum Neck dauert länger, allerdings ist die „Straße“ besser ausgebaut. Hier war und ist immer noch schweres Gerät im Einsatz, um diese besser befahrbar zu machen und auch zu halten.
Diesmal ging es südlich an den Bergen vorbei und durch einige Herden von Kühen und Schafen.
Hier selbes Bild... Die Kühe sind unheimlich entspannt, wohingegen die Schafe abhauen, sobald man sich nur etwas in ihre Richtung bewegt.
Ansonsten offenbarte die Fahrt erneut, wie falsch man hier Entfernungen einschätzen kann. Hier wurde nochmal deutlich, wie weit der Mt. Richards noch vom Mt. Rookery entfernt ist. Bei wie gesagt nicht ganz so einfacher Vegetation...
Schon als die Hütte am Neck in Sichtweite kam, war klar, in welchem Paradies wir die nächsten Tage verbringen durften.
Wir kannten zwar Bilder und Videos vom Neck, aber die Realität ist nochmal eine ganz andere Sache...
Man fährt über einen Hügel und sieht danach nur Strand. Rechts und links eingefasst von einer Bucht und am anderen Ende erstreckt sich nochmal eine Halbinsel mit Berg. Und auf dem Strand eine Pinguinkolonie (Gentoo) nach der anderen. Wie Wellen, auf jedem Hügel eine Kolonie.



Bevor wir links an der Hütte abgeladen wurden, haben wir noch eine kurze „Sightseeingtour“ entlang des linken Strand bekommen.
Dort finden sich erneut zahlreiche Bruthöhlen von Magellanpinguinen, weiter hinten am Ende des Strands sind die Königspinguine zu Hause, in den Klippen dahinter brüten die Rockhopper und danach nochmal Albatrosse. Also fast alles in direkter Umgebung...
Schnell ein paar Fotos gemacht und ab ging es zur Hütte.
Dort gab es ein freudiges Wiedersehen mit unserer Reisebegleitung im Flugzeug nach Saunders Island.
An dieser Stelle Stelle freut es uns, sie näher vorstellen zu dürfen.
Vicki Santello – Naturfotografin aus den USA.
Hier der Link zu ihrer Homepage. Schaut Euch ihre Arbeit gerne an.
Die Hütte im Neck ist ziemlich symmetrisch aufgebaut.
Im Eingangsbereich (Schuhe aus!) geht es ins Bad. Geradeaus durch kommt man in den kombinierten Küchen-, Ess- und Aufenthaltsbereich und links und rechts davon befindet sich jeweils ein Schlafzimmer mit je 2 Stockbetten.
Also 8 Personen hätten insgesamt Platz im Neck, aber wir hatten Glück und waren nur zu dritt.
Und mal ehrlich – unabhängig davon, dass wir gar keine weiteren Leute bei uns hätten haben wollen – Platz hätte in der Konstellation eh niemand mehr gehabt. 😂
Vicki hat ja schon berufsbedingt unheimlich viel Technik dabei, aber als wir auch noch unsere Funkausrüstung ausgepackt haben, waren alle Tische und Stühle belegt.
Alles voller Laptops, Kabel, Ladegeräte, Speicherkarten, externe Festplatten, Funkgeräte, Smartphones, Antennen, Kameras, Adapter usw.
Wir haben alle so lachen müssen und die Hütte kurzerhand „The Nerdy Cabin“ getauft.
Natürlich wurden Antenne und Kabel gleich nach draußen gebracht und hinter der Hütte in Arbeitsstellung gebracht. Kabel durchs Fenster und unser Schlafzimmer in Funk- und Schlafzentrale gewandelt.


Funktionstest – geht, aber nichts los.
Auf SSB überwiegend spanische Stationen und auf CQ Rufe antwortet niemand!
Kurz noch Instant-Nudeln verschlungen und dann mussten wir unbedingt noch den Strand erkunden. Das hat man nicht direkt vor der Nase und ignoriert es. Also warm und winddicht eingepackt und raus aus der Hütte an den Strand in Richtung der Klippen.
Mit Gentoo- und Magellanpinguinen hatten wir ja schon Bekanntschaft gemacht, aber dann direkt neben den Königspinguinen zu stehen, war schon nochmal was anderes.
Die sind schon echt groß und fast schon unheimlich ruhig und entspannt. Und sie kümmern sich rührend um ihren noch flaumigen Nachwuchs vom letzten Jahr. Die stehen wie kleine fluffige Kegel in Kleingruppen zusammen und warten geduldig darauf, dass sie wieder bei ihren Eltern um Futter betteln können.




Auf den Klippen herrschte bei den Rockhoppern wieder geschäftiges treiben. Da ist immer Trubel und auch hier haben es sich dazwischen die Königskormorane bequem gemacht.

Nachdem es langsam dämmerte, ging es zurück in die Nerdy Cabin.
Außerdem wollten wir am nächsten Tag den Mt. Harston bezwingen, weswegen wir dann auch gleich ins Bett gefallen sind.
10.11.2025
Hilft nichts, wieder früh aufgestanden um nach Knäckebrot und Kaffee den nächsten Berg zu bezwingen...
Kleines Trostpflaster: Vicki musste früher raus. Das Los der Fotografen, wenn sie den Sonnenaufgang erwischen wollen. Respekt, da lagen wir noch in den Federn. 😉
Trotzdem... Eingepackt und los ging es. Dafür gleich mal vor der Tür festgestellt, dass es irgendwie so warm ist... Und irgendwie gerade etwas sonnig...
Ihhhhhhh – was ist denn da passiert.
Naja egal, kann sich ja im Minutentakt wieder ändern, daher haben wir uns nichts gedacht.
Um die Pinguine nicht unnötig zu stören, haben wir uns am Strand möglichst links gehalten und sind zwischen Meer und Kolonien auf die Halbinsel auf der anderen Seite gelaufen.
Am Strand noch ein paar alte Planken und Anker bewundert und dann hatten wir den Berg auch schon vor der Nase.
Wir hatten lange überlegt, ob wir wie beim Mt. Rookery direkt den Grat entlang wandern, hatten dann aber beschlossen, dass wir erst mal dem kleinen Trampelpfad Richtung Seeelefanten folgen und uns dann langsam in die Höhe arbeiten und kurz unterhalb vom Grat bleiben.
Vorteil: Man bekommt den Wind nicht volle Breitseite ab.
Das hat ganz gut funktioniert.
Die dort heimischen Caracaras und Magellanpinguine haben uns bei unserer Unternehmung immer im Auge behalten.

Auf halber Strecker konnten wir den Repeater bewundern, der mit ein paar Solarpanelen auf dem Grat angebracht ist und die Verbindung vom Settlement zum Neck ermöglicht.

Ansonsten war die Strecke auch nicht ohne. Der Bewuchs nicht ganz so schlimm wie beim Mt. Rookery, aber trotzdem hatte wir von den Vortagen ja schon ein paar Kilometer und Höhenmeter in den Beinen.
Genau selbes Spiel wie beim letzten Mal. Man denkt, man ist auf dem Gipfel und muss dann feststellen – NEIN! Da geht es noch weiter rauf. Das Spiel lässt sich auf der Strecke auch ein paar Mal wiederholen... Dumm auch, wenn man feststellt, dass langsam die Füße schmerzen, weil man sich doch irgendwie an den Fersen Blasen gelaufen hat.
Irgendwann hatten wir es dann doch geschafft und die Aussicht von oben aufs Neck ist grandios.
Der Wind war heute auch nach wie vor gar nicht so kräftig und – man mag es kaum glauben – die Sonne schien immer noch...

Also wieder Antenne aufgebaut, nettes Plätzchen im Windschatten gesucht und das Funkgerät angeschmissen. Außerdem umgezogen und diesmal ganz wichtig: Socken aus und Füße verarztet.


Text Funken
Dummerweise ist es echt heiß geworden und hat uns ganz schön gegrillt. Wir haben uns dann zwar aus den Stöcken und Tarp bzw. Jacken irgendwie so etwas wie Zelte gebastelt, allerdings war der Wind zwar schwach, aber immer noch stark genug, dass diese Konstruktionen eher instabil waren.
Immerhin ist die Kleidung relativ einfach getrocknet...
Jetzt hatten wir es lange genug auf den Gipfel ausgehalten und kamen uns langsam vor wie Grillfleisch... Wasser war auch leer, also nichts wie zurück.
Diesmal sind wir auch etwas schneller abgestiegen und haben den Grat komplett ignoriert.
Wir kamen uns etwas wie im Labyrinth vor, nur dass man alles stehen konnte. Trotzdem war es auf dieser Hangseite gar nicht so klar ersichtlich, welchen Weg man am besten zwischen den einzelnen Steinen durchnehmen kann.
Weiter unten haben wir noch einen Abstecher zum Swiss Hotel gemacht.
Das ist ein Felsen, unter dem mal eben 2 Monate lang 3 Schweizer gezeltet haben, um die Magellanpinguine am Hang zu beobachten.
Respekt... Aktuell zeugen noch leere Gasflaschen und Europaletten von der Aktion und der Name Swiss Hotel wurde im Stein verewigt.


Immerhin gibt es in der Nähe ein Trockenklo... Also quasi Luxus.
Dass die Schafe den Felsen als Unterstand genauso praktisch finden, sieht man an gewissen „Hinterlassenschaften“. Die benutzen das Trockenklo nicht.
Weiter ging es zurück zum Strand und wieder an den Pinguinen vorbei. Allerdings forderten Füße und Sonne ihren Tribut und wir hatten es doch recht eilig, wieder in die Unterkunft zu kommen.
Erst mal Wasser trinken, warme Dusche und Pflaster für die geschundenen Füße.
Und natürlich nach kurzer Regenerationsphase auch Instant-Nudeln...
Denn tollen warmen Tag zahlten wir noch mit einem anderen Preis. Tatsächlich Sonnenbrand... Auf der Nase und bei Mann auch im Nacken und an den Armen.
Vicki rettete die verbrannte Nase mit einer Salbe und taufte „Mann“ auf den Namen „German Redneck“. Der „German Redneck“ am Neck... Passt ja auch irgendwie.
Tja. Ich will ja nicht sagen, dass wir die Sonne unterschätzt haben. Das Problem war einfach, das absolut niemand (also auch die Einheimischen nicht) mit Sonne zu der Zeit in der Intensität gerechnet hatte und Sonnencreme und After-Sun-Lotion daher schlicht und ergreifend nicht im Reisegepäck waren.
Ein paar Tage vorher waren wir noch bei ca. 3 °C im Graupelschauer unterwegs und hatten teils in der Früh Schnee auf der Straße.
Lerneffekt: Kleine Tube Sonnencreme geht immer!
Dann ging die Tür auf und die Vermieter standen in der Tür.
Text zu Funk??
Am späten Nachmittag half aber nichts, den Drang zu unterdrücken, nochmal nach draußen zu gehen. Man ist nicht an einem der schönsten Plätze der Welt und schaut ihn sich dann nicht an, besonders wenn die Zeit begrenzt ist.
Also nochmal die schmerzenden Füße in die Schuhe gequält und raus zu den Pinguinen.
Je nach Tageszeit verhalten sie sich anders und um diese Uhrzeit war dann doch einiges los. Viele sind ins Wasser, um zu jagen, und einige kamen gerade davon zurück. Also viel Verkehr und lautstarke Interaktion zwischen den Tieren, um sich partnerschaftlich auszutauschen oder dem Nachbarn mitzuteilen, dass er gefälligst Abstand halten soll.
Hier noch ein paar Eindrücke:


Anschließend ging es für uns zurück in die Unterkunft. Es wurde bereits dunkel.
Wir bekamen per Funk mitgeteilt, dass am nächsten Morgen gehen 6 Uhr die nächsten Gäste ankommen würden. Allerdings würden diese ihr Gepäck nur im Generatorhaus unterbringen und uns nicht wecken.
Unser Abholservice würde uns gegen 10:45 Uhr aufsammeln und zwecks Rückflug ins Settlement bringen.
Also haben wir schon mal die Antenne etc. abgebaut und das meiste Gepäck verstaut.
In der Früh wollten wir auf alle Fälle nochmal eine Runde draußen drehen.
11.11.2025
Gesagt – getan.
Noch kurz zum Frühstück das restliche Knäckebrot mit einer überschüssigen Packung Insant-Nudeln heruntergespült, die restliche Kleidung in den Rucksack gestopft, Bettwäsche abgezogen und ab nach draußen.
Vicki war natürlich schon unterwegs und von den neuen Gästen hatten wir noch nichts mitbekommen.
Das hat sich am Strand dann relativ schnell geändert.
Wirklich ungewohnt, wenn man hier die ganze Zeit alleine war und dann rennen da auf einmal so viele Leute rum und dann sieht man die auch noch...
Man merkt, man war verwöhnt und ich gebe zu, irgendwie hat mich der Anblick dann auch etwas gestört... 😉
Ok, jammern auf hohem Niveau, bei den zwei zusätzlichen Leuten, die schwer bepackt mit kompletter Fotoausrüstung am Strand neben den Pinguinen gekniet sind.
Die anderen zwei Neuen hatten wir gar nicht zu Gesicht bekommen.
Nachdem noch so halb Ebbe war – Tendenz steigend – konnten wir noch am Strand entlang von unten zu den Klippen. Also endlich mal unterhalb der Rockhopper zu den Felsen und sie dabei beobachten, wie sie sich todesmutig in die Fluten stürzen.
Toller Anblick... Und sau glatt auf den Felsen... Alle zusätzlich von Hinterlassenschaften weiß gefärbten Stellen sind noch rutschiger. Also aufpassen und gut festhalten.
Es gab auf den Felsen auch eine ausgespülte, mit Wasser gefüllte Kuhle, die die Rockhopper als Swimmingpool genutzt haben. Außerdem ist echt irre, wie hoch bzw. tief diese Pinguine hüpfen können. Wie kleine Gummibälle.
Wenn ich so tief nach unten hüpfen müsste, würde ich mir vermutlich beide Beine brechen...



Nachdem das Wasser langsam stieg, kletterten wir zurück an den Strand und „flanierten“ dort noch mit gebührend Abstand durch die Pinguine.
Dann blitzen noch ein paar Rückenflossen im Wasser auf und auf einmal war die ganze Bucht voller Delphine, die in den Wellen surften und jagten. Und das waren mit ca. 20 Stück nicht wenige.
Angeblich fressen sie die Pinguine nicht, weil sie ihnen zu groß sind. Ob das stimmt, muss ich aber noch recherchieren.
Allerdings hat die Anwesenheit der Delphine trotzdem ausgereicht, um die Pinguine zu beunruhigen und gewissen Badetätigkeiten erst mal einzuschränken.



Nachdem die Zeit langsam drängte, half es nichts.
Also vom Anblick losreißen und zurück zur Hütte.
Pünktlich um 10:45 Uhr war das Auto da und nun trafen wir auch die neuen Gäste. Eine Gruppe aus 5 oder 6 Fotografen. Nett, wäre mir persönlich aber zu voll geworden. Aber egal, wir mussten ja eh zurück.
Also Auto beladen und zurück zum Settlement.
Problem: Aktuell konnte uns keiner sagen, ob unser Flieger überhaupt kommen würde, da Stanley komplett im dichten Neben versunken war und sämtliche Flugaktivitäten eingestellt hatte.
Entsprechend wurden wir im Settlement in die dortige Unterkunft gebracht, in der wir mindestens noch ein paar Stunden, wenn nicht sogar eine weitere Nacht, verbringen müssten.
Diesmal sind wir mit zum Shop vor Ort gegangen, da unsere Vorräte aufgebraucht waren und uns langsam der Magen mitteilte, dass eine Füllung ganz willkommen wäre.
Der Store dort ist nicht groß. Eigentlich nur ein kleiner, dafür hoher und vollgestopfter Raum. Dafür gibt es einiges und viel davon. Verständlich. Wenn kein Flieger geht und keine Fähre fahren kann, ist es hier auch für die Einheimischen wichtig, genug Vorräte haben. Das es genug ist, den Touris was verkaufen zu können, ist natürlich mit eingeplant.
Aus der Tiefkühltruhe schnappten wir uns 2 Packungen Chilli und noch je 2 Dosen Cola aus dem Regal. Wusste ja keiner, wie lange das ganze hier noch dauern würde und in der Unterkunft dort hatten wir ja alles und entsprechend auch die Möglichkeit zu kochen.
Also Gasherd an und Chille aufgewärmt. Das tat schon mal gut...
Dann kam die Ansage, dass der Flieger in ca. 2 h vermutlich kommen würde, allerdings nicht klar sei, ob er auch in Stanley landen kann. Die Alternative wäre Mount Pleasant oder ggf. sogar Goose Green. Wenn dem so wäre, würde sich die FIGAS um ein Shuttle kümmern.
Merke: Immer Plan B...
Haken an der Sache:
Wir hatten uns unseren Mietwagen für die nächsten Tage auf der Ostinsel an den Flughafen in Stanley bestellt und wollten nach Ankunft am Flughafen noch im Supermarkt und an der Tankstelle vorbei, um uns am einzigen Geldautomaten (Ihr erinnert Euch) Bargeld zu holen, da wir vor dem 20.11 nicht mehr nach Stanley kommen würden.
Wenn wir nun aber nicht in Stanley landen würden, oder noch mehr Verspätung hätten, hätte sich das erledigt, da die Geschäfte dann geschlossen hätten... Naja. Nicht toll aber ändern könnten wir es auch nicht.
Notfalls würden wir eine weitere Nacht irgendwo spontan in Stanley verbringen müssen – was mit unseren Kontakten mittlerweile irgendwie zu organisieren wäre – oder wir fahren nach North Arm, kaufen am nächsten Tag dort im lokalen Store ein und müssten irgendwann auf der Reise wegen Bargeld für einen „kurzen Ausflug“ zurück nach Stanley. (Das sind ein paar Kilometer hier.)
Egal, wird sich zeigen. Wie gesagt, beeinflussen können wir es gerade eh nicht.
Wir sind noch etwas durchs Settlement gestreift und haben uns dann in der Unterkunft vor Ort an den Laptop gesetzt, um ein paar Zeilen für unseren Reisebericht zu schreiben. Nachdem wir uns aber etwas mit Vicki verquatscht haben – was immer Spaß macht und sehr informativ ist – wäre es gelogen, zu behaupten, dass wir da seht produktiv waren.

Einen neuen Freund hat Herbert auch gefunden.

Dann kam die Ansage, dass der Flieger im Anflug sei und wir wurden zum Flugfeld gebracht.
Nochmal brav die Schuhe desinfiziert und gewartet.


Diesmal hatten wir einen anderen Piloten und tauschten wegen Beinfreiheit die Plätze. Wir mussten auch keinen Zwischenstopp auf einer weiteren Insel einlegen sondern flogen direkt Richtung Stanley. Bei strahlendem Sonnenschein und wieder verhältnismäßig wenig Wind...


Trotzdem war unklar, wie es weitergeht...
Irgendwann kam während des Fluges dann die Info, dass unser Pilot versuchen würde, in Stanley zu landen.
Faszinierend war, dass der Himmel über Stanley selbst klar war und nur der Flughafen ein paar Meter weiter im Nebel versank. Alles gutgegangen, der Pilot weiß was er tut.



Also zurück im Gebäude Gepäck geschnappt und zum Parkplatz, um nach dem Mietauto zu suchen. Vicki wurde fündig. Ein Schild mit Namen war hinter der Windschutzscheibe abgelegt worden, wie besprochen. Passt!
Wir sind rührend von Vicki verabschiedet worden und hatten vereinbart, in Kontakt zu bleiben.
Nun – nach einem schnellen Blick auf die Uhr – festgestellt, dass unser Plan (Bankautomat und Einkaufen) noch klappen könnte.
Also Auto nach Schäden angesucht, rein ins Auto uns los. Theoretisch...
Problem: Zum Fahren braucht man einen Schlüssel.
Vereinbart war, dass der Schlüssel in die Sonnenblende gelegt wird. So weit so gut. Da war eine Karte, aber kein Schlüssel. OK, skeptisch geguckt, aber funktioniert ja in Hotels auch irgendwie und ein Schlüssel – wie man ihn kennt – war ja nicht da. Auf der Karte standen auch die Infos zum Auto.
Nach Drücken des Startknopfs kam die freundliche Aufforderung, die Karte einzustecken. Soweit so gut, wir hatten ja eine Karte, aber wohin mit dem Ding, erschloss sich uns nicht.
Da war nichts. Und Keyless funktioniert ja auch ohne direkten Kontakt... Hmmmmm
Dann fuhr Vicki nochmal an uns vorbei, die sich gewundert hatte, dass wir trotz Zeitdruck immer noch am Auto stehen und verwirrt gucken.
Sie sprang aus ihrem Auto und half uns beim Suchen.
Resultat: Nun standen 3 Leute am Auto und guckten verwirrt...
Fazit: Das mit der Karte kann irgendwie nicht stimmen....
Ok, irgendwie versucht, bei der Mietwagenfirma anzurufen. Lokale SIM-Karte hatten wir ja, nur ging dummerweise niemand ran.
Die Zeit wurde langsam knapp.
Also bin ich zu Vicki ins Auto gesprungen und sie hat mich zur Tankstelle gefahren, wo auch die Autos vermietet werden UND der Bankautomat steht.
Also rein in den Laden und der Frau am Tresen vermittelt, dass wir ein Problem haben.
Sie gab mir zwei Nummern, die ich Herbert per SMS geschickt habe. Dann betrat Vicki dazu und brachte die Dame höflich dazu, selbst dort anzurufen, um unser Problem zu lösen. 😂
Da ging nur auch niemand ran...
In der Zwischenzeit bin ich zum Bankautomaten hinter und musste feststellen, dass Murphy ne *§$%/“$ ist...
Auf dem Display klebte ein fetter „Out of Service“-Zettel.
Auf Nachfrage am Tresen bekam ich die Info, dass der Automat auch frühestens nächsten Montag repariert werden würde. Hmmmmmm....
Merke: Immer Plan B.
Blöd...
Wir hatten eigentlich noch genug Bargeld, um die Unterkunft die nächsten Tage zu zahlen, die explizit Cash fordert, aber etwas Backup wäre hilfreich.
Immerhin bekam ich auf Nachfrage die Info, dass man hier im großen Supermarkt – dem Chandlery Supermarket – auch Cashback bei Einkäufen bekommt. Einen Mindestbetrag für den Einkauf gibt es dabei wohl nicht, allerdings maximal 50 Pfund je Transaktion. Ok, nicht schön, aber eine Lösung, wenn der Supermarkt dann noch offen hätte.
In der Zwischenzeit zeigten die Anrufe Erfolg und endlich ging jemand ran. Vicki übernahm und schilderte gerade unsere Situation, da kam Herbert durch die Tür.
Des Rätsels Lösung:
Es gab einen Schlüssel, nur lag der eben nicht – wie eigentlich abgemacht – im Auto, sondern im Flughafengebäude am Tresen. Nun hat ihn da aber niemand gestört und wir nicht vermutet.
Er hatte in der Zwischenzeit die Mitwagenfirma erreicht – was auch erklärte, warum wir keinen Erfolg hatten – und sie kamen vorbei.
Gemeinsam machten sie ich auf die Suche nach dem Schlüssel und konnten diesen aus dem Gebäude „bergen“. Gerade noch Rechtzeitig, weil der Flughafen gerade dichtgemacht hatte und das „Closed“-Schild an die Tür hängten...
Problem gelöst!
Mit Schlüssel lässt sich das Auto nämlich auch keyless starten... Faszinierend...
Nochmal rührend von Vicki verabschiedet.
Ganz großes Danke an dieser Stelle. Solche Freunde sind Gold wert und sie hat uns wirklich sehr geholfen.
Da ist einiges an Zeit draufgegangen und die Nerven waren bei uns auch etwas angespannt.
Jetzt aber weiter. Nach dem Tipp mit dem Bargeld noch ab zum Chandlery. Der hat auch etwas länger auf.
Nachdem unsere Unterkünfte in North Arm und Port San Carlos für Selbstversorger sind, nochmal ordentlich eingedeckt. Jetzt hatten wir mit dem Auto ja auch keine Platzsorgen mehr.
An der Kasse dann der große Spaß. Einkauf in 4 Portionen splitten und jedes Mal Cashback wollen, damit wir nochmal 200 Pfund mehr Bares in der Hand haben. Der Typ an der Kasse guckte etwas irritiert, nach unserer Erklärung war ihm aber klar, was das soll und er half uns natürlich gerne. Er musste halt gucken, ob in der Kasse noch genug Bargeld vorhanden ist. Zahlen mit Karte ist hier mittlerweile üblicher. (Kein Wunder, wenn das mit Bargeld so bescheiden funktioniert. Ok, die Einheimischen haben noch die Bank vor Ort zur Verfügung...)
Nun alles in Kisten hinter die Vordersitze und ab zum Tu Gesthouse, um unsere restlichen Gepäckstücke abzuholen.
Vor der Tür geparkt, geklopft und wieder sehr herzlich begrüßt worden. Wir mussten alle sehr lachen, als wir die Geschichte mit dem Rückflug und dem Auto erzählt haben. Jetzt, da wir alles haben, kann man auch wieder drüber lachen.
Half alles nichts, wir mussten trotzdem weiter. Bis nach North Arm war es noch ein langer Weg und mit knapp 19:30 Uhr war es zwar noch hell, aber schon fortgeschritten. Klar war jedenfalls, dass wir im Dunklen ankommen würden. Unser Gastgeber hatte noch unsere Unterkunft dort darüber informiert, dass wir verrückt genug sind, trotzdem loszufahren und dass es später werden würde.
Er gab uns auch nochmal den Rat, vorsichtig zu fahren. Das sei hier nicht ohne.
Also ging die Reise weiter. Wirklich quer durchs Land mit dem Auto.
Die Strecke nach Mount Pleasant kannten wir ja schon von der Ankunft mit dem Bus. Diese Straße ist auch geteert. Danach hat sich das.
An der Kreuzung nach Mare Harbour mal kurz innehalten, damit man sich nicht verfährt, und ab da ging es dann auf Schotter weiter Richtung Darwin, Goose Green und North Arm.
So wirklich verfahren kann man sich hier nicht mehr. Es gibt eigentlich nur diese Straße und die Offroad-Abzweigungen fährt man nicht versehentlich. An den entscheidenden Kreuzungen stehen auch Schilder.
Weitere Hinweise sind überbewertet. Ebenso wie Beleuchtung.
Hier wird nur vor Cattle Grids gewarnt und ggf. mal vor einer besonderen Kurve. Diese Kurven haben dann teils auch reflektierende Stempen und dort sollte man auch wirklich aufpassen.
Ein paar Grenzschilder sind vorhanden. Die stehen dann normalerweise am Cattle Grid und zeigen an, welcher Farm das betretene Land nun gehört. Das ist dann im Süden sehr überschaubar. Die Farmen sind riesig.
Auf der Straße geht es auch meist geradeaus. Aufpassen muss man, weil nur der Schotter in der Mitte hart gefahren ist. Zur Seite hin ist der Schotter sehr locker. Abrutschen sollte man nicht. Daher im Zweifel eher anhalten, wenn Gegenverkehr kommt..
Wobei... Wir haben auf dem ganzen Weg von Stanley nach North Arm genau 3 Fahrzeuge getroffen, die uns entgegen kamen. Hinter uns war niemand.
Ansonsten gibt es hier viele Kuppen und Senken. Es schaut teil sehr gerade aus, allerdings fährt man die ganze Zeit rauf und runter und man sieht absolut nicht, was sich hinter der Kuppe befindet.
Oft Tiere, die einem vor das Auto rennen, oft sind in der Senke kleine Wasserläufe, die einfach mit Rohr eingefasst und überschüttet wurden. Alles gut, nur ist die Straße an der Stelle spontan auch nur mal halb so breit. Also die Geschwindigkeitsbeschränkung von 40 Meilen pro Stunde machen durchaus Sinn. (Innerorts sind es übrigens oft nur 25 Meilen pro Stunden.)
Ehrlich, wir hätten uns auf der Strecke ungefähr mit Abendessen für sämtliche verbleibenden Tage eindecken können, wenn wie die Tiere erwischt hätten. Viele kleine Vögel nutzen die Straße zum Jagen. Gänse finden es direkt daneben bequem und zum Wegfliegen ist Gans meist zu faul. Die Moderne Gans guckt, geht, geht schneller und fliegt dann vielleicht mal. Und das immer in die falsche Richtung.
Die Hasen sind einfach suizidal veranlagt. Die rennen einfach komplett über die Straße und es liegen auch genug Opfer des sehr „extremen Straßenverkehrs“ hier rum.
Schaf ist einfach Schaf. Schaf folgt der Herde, egal ob das gerade eine gute Idee ist. Schaf grast auch gerne direkt neben der Straße, oder auf der Straße, oder in Sichtweite der Straße, damit Schaf dann auch genau dann losrennen kann, WENN ein Auto kommt.
Also der Rat, vorsichtig zu fahren, ist hier sehr angebracht. Guter Reaktionszeit und einigen Vollbremsungen ist es zu verdanken, dass bei uns kein Tier dran glauben musst.
Im Dunklen ist es auch nicht besser geworden. Hier drehen Schafe und Hasen so richtig auf.
Gemein hier: Man sieht außer den Scheinwerfern absolut kein Licht. Man weiß, es gibt hier natürlich keinerlei Bäume und trotzdem hatten wir das Gefühl, durch einen Wald zu fahren. Man hat auch keinerlei Orientierungspunkte außer der Straße mehr.
Aber wie gesagt, verfahren kann man sich hier eher weniger, wenn man auf der Straße bleibt.
Irgendwann dann ein Licht in der Ferne.
Da stand tatsächlich ein Auto auf der Straße – das war besagte Nummer 3 – und wartete. Da wir uns dem Ziel schon nahe glaubten, waren wir der Meinung, dass das wohl mit uns zu tun haben würde. Und ja. Das Auto fuhr los und wir folgten ihm einfach.
Ja, passt. War für uns. Wir fuhren in das Settlement und direkt vor die Haustür unserer neuen Unterkunft in North Arm.
Unsere Gastgeberin war uns entgegen gefahren. Sie war ja gewarnt, dass es bei uns später werden würde. Ein schlechtes Gewissen müssten wir nicht haben. Sie kann von daheim aus relativ weit sehen und ist erst losgefahren, als unser Scheinwerferlicht in der Ferne aufgetaucht ist. Sie musste jetzt keine Stunden im Auto auf uns warten.
Gebraucht haben wir an dem Tag nicht mehr viel. Wir waren unheimlich von dem Haus angetan. Riesengroß für uns und super ausgestattet. Daher sind wir auch gleich ins Bett gefallen.



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